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Hochschulranking: ETH Zürich rutscht ab

Seit Jahrzehnten gilt die ETH Zürich als die Vorzeige-Hochschule der Schweiz. Auch in internationalen Rankings schwingt sie stets oben aus. Ökonomen der Universität Freiburg haben diese Rankings nun kritisch untersucht – und fördern eine neue Sichtweise und eine neue Rangliste zu Tage.

Gut sichtbar thront sie über den Dächern Zürichs: die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ). In internationalen Ranglisten erhält sie immer wieder Spitzennoten. «Darauf sind wir in der Schweiz auch stolz», sagt Reiner Eichenberger, Professor an der Universität Freiburg in der Sendung «10vor10». Eichenberger ist Leiter der Forschungsgruppe, die nun ein neues Ranking berechnet hat. Die Ökonomen der Universität Freiburg haben diese bisherigen Rankings kritisch untersucht – und fördern eine neue Sichtweise zu Tage. Niemand zweifelt daran, dass die ETHZ absolut gesehen sehr erfolgreich ist. Ebenso klar ist aber, dass die ETHZ über das mit Abstand grösste Budget aller Hochschulen in der Schweiz verfügt. Zwischen 2008 und 2012 hatte die ETHZ – gemäss Freiburger Studie – über 7 Milliarden Franken zur Verfügung. Verwendet die ETH dieses Geld auch effizient? So lautet die Frage der Ökonomen.

Von Platz 1 auf Platz 7

Sie machen die denkbar einfachste Rechnung ihrer Disziplin und teilen Aufwand durch Ertrag. Den Aufwand messen die Freiburger im Gesamtbudget, den Ertrag in der Anzahl Publikationen und Zitierungen. Anhand der Ergebnisse berechnen sie eine neue Rangliste der Effizienz. Diese neue Rangliste sieht ganz anders aus als die herkömmliche. Die ETHZ rutscht von Platz 1 auf Platz 7 ab. Im Gegenzug klettert die Universität Basel von Platz 6 auf Platz 1. Generell schneiden die kleineren Hochschulen bezüglich Effizienz besser ab als die grossen. «Die gut rangierten Universitäten setzen die verfügbaren Mittel besser ein», schreiben die Forscher. Das stimme auch dann, wenn die Ökonomen Qualitätskriterien wie die Zitierungshäufigkeit mit einrechnen.

Basel hat die Nase vorn

Der grosse Sieger in allen Rankings ist die Universität Basel. Für deren Rektor, Antonio Loprieno, ist das gute Abschneiden seiner Hochschule kein Zufall. «Wir haben in Basel ein starkes Bewusstsein für die beschränkten Mittel entwickelt», sagt er in «10vor10». Weniger positiv bewertet der ETH-Präsident Ralph Eichler das neue Ranking. Die Berechnung sei unfair, sagt er. «Einen Ingenieur auszubilden, ist teuer», findet Eichler. «Bei Vertretern der Wirtschaft sind unsere Abgänger sehr hoch angesehen.» Zudem habe die ETHZ in den vergangenen Jahren grosse und kostspielige Bauprojekte bewältigen müssen. Und die ETHZ biete dem Bund teure Dienstleistungen an, die in keinem Ranking erscheinen, so beispielsweise den Erdbebendienst, die Konjunkturforschung und das neue Rechenzentrum im Tessin.

«Wir wollen unseren Wissenschaftlern und Studenten weiterhin die Top-Qualität anbieten», meint Eichler. Trotzdem hält Studienleiter Reiner Eichenberger an seinen Resultaten fest. «Die bisherigen Rankings wecken die Illusion, das Geld sei bei der ETH gut angelegt. Dass das nicht stimmt, zeigt unsere Studie.»

28.1.2014